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Constantin Lippe (1840-1885):
Ein Fall von Nasenbluten, geheilt mit Pulsatilla (Kühchenschelle)
Kommentar: Diese Arznei, nämlich Pulsatilla
pratensis, wurde allein hier bei den Fallbeispielen schon mehrfach benutzt,
für völlig unterschiedliche Diagnosen (Mittelohrentzündung,
Diarrhoe).
So ist die Diagnose "Nasenbluten" auf keinen Fall geeignet,
dafür einfach Pulsatilla zu verschreiben, sozusagen als Indikation,
davor kann man nur warnen, denn das käme einem Lotteriespiel gleich:
Schon in Bönninghausens Therapeutischem Taschenbuch von 1846 wurden
104 Arzneien genannt, die bei Nasenbluten in Frage kommen können,
die man jedoch nach den Vorgehenweisen der Homöopathie voneinander
unterscheiden muß.
Für die Homöopathie typisch ist übrigens, dass dieser
Patient heute in einer homöopathischen Praxis im besten Fall immer
noch immer diesselbe Arznei verschrieben bekommen würde, und sie
würde heute genauso heilen wie damals, weil eine Arzneipflanze
heute keine andere ist als vor 150 Jahren.
Ein Deutscher, blond, 25 Jahre alt, hatte seit zwei
Wochen eine starke Blutabsonderung aus der Nase. Sie wurde gemäß
der pathologischen Sicht des Falls behandelt, doch die Hämorrhagien
verstärkten sich noch, obwohl sie Blutstiller und anderes einnahm;
schließlich wurde Chininsulfat verabreicht. (Warum?)
Bei der Untersuchung des Patienten nach den Anweisungen
HAHNEMANNS fand ich folgende Umstände vor: - Die Absonderung war
zum Teil blasses, zum Teil geronnenes Blut, und die Absonderung war
wechselnd in ihrer Intensität. Wenn er aus der Kälte in ein
warmes Zimmer kam, konnte er sicher sein, dass er Nasenbluten bekommen
würde. Beim Hinlegen tropfte ihm das Blut aus der Nase, wenn er
sich aufsetzte, stoppte die Blutung. Er hatte eine dumpfes, schweres
Gefühl über den Stirnhöhlen. Er war sehr mutlos, insbesondere
nach der letzten Blutung, die einem Pint [Anm. d. Übers.: 0,473
Liter] entsprach.
Wir haben in diesem Fall die charakteristischen Indikationen
für Pulsatilla, und er bekam eine Dosis von der MM*; er
verlor nur noch zwei Tropfen schwarzes Blut, nachdem er das Mittel bekommen
hatte, und nach mehr als drei Monaten hatte er keinen Rückfall
bekommen. Das war eine Pulsatilla-Hämorrhagie, teilweise
flüssig und teilweise geronnen, und wechselnd in der Intensität
und schlimmer beim Gehen in ein warmes Zimmer und wenn in einer liegenden
Position.
* MM: M bedeutet 1000, also eine C 1000.000, d.h in
einer unglaublich hohen Verdünnung, die jeder Vernunft zu widersprechen
scheint.
Quelle: Constantin Lippe: Clinical Contributions.
The Organon 1878; 1: 267-271
© Übersetzung: Thomas Mickler
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